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Donnerstag, 02. September 2010

Kornelkirsche, Beschreibung eines bekannten oder unbekannten Fruchtbaumes.
Von rolf-lindner, 08:40

 


 

Sie gehört zu den Hartriegelgewächsen, Cornus mas L., Bezeichnung nach dem ersten Beschreiber dieser Pflanze, dem schwedischen Arzt und Botaniker Linné,  die bei uns bekannte Kornelkirsche. Eigentlich bedeutet es in strenger Übersetzung Cornus mas männlicher Hornstrauch. Dennoch ist der Name bereits bei den Römern bekannt gewesen.  Im Volksmund wird sie auch als gelber Hartriegel, Herlitze oder Dirlitze bezeichnet. Die Engländer nennen sie Cornelian Cherry und die Franzosen bezeichnen sie schlicht als Cornouille  In Österreich wird sie als Dirndling oder Dirndl bezeichnet.

Die Heimat der bis zu 6 Meter hoch als Strauch oder Baum wachsenden Kornelkirsche ist Westasien und Europa. Bevorzugte Wachstumsorte sind Muschelkalkgebiete sowie in Hecken und Steppenheiden. Vor allem in den Wäldern Süd- und Mitteldeutschlands wächst sie üppig. Wir haben sie entdeckt im bekannten Spargelort  Walbeck am Niederrhein. Hier in Nordrhein-Westfalen steht sie auf der Liste der gefährdeten Hartriegelarten. Aber auch in Aachen, Umgebung des Kraichtales in Baden-Württemberg, in Niederröstereich wo auch viel Schwarzkiefer zu finden ist, ist sie oft gesehen. Mehr und mehr hat sie als Zierpflanze auch die Gärten erreicht. Die Kornelkirsche hat ein hartes und schlecht spaltbares Holz und härteste Holz europäischer Holzgewächse.

 


Im Auftreten selbst unterscheidet man nicht nur in der Botanik sondern auch anhand der Blätter und Früchte verschiedene Arten der Kornelkirsche. Die einen haben fast weiße Früchte, als Alba bezeichnet, oder violettrote Früchte, Violaceae, andere haben gelbe Blätter, Aurea, wieder andere tragen gelbe Früchte, Flava, bei einigen ist der wuchs streng aufrecht wie den Pyramidalis. Diese sind sowohl wild wachsend als auch in Gärten und Parkanlagen anzutreffen. In der Sortenliste des Bundessortenamtes 1999 wird zu den Wildobstarten hier Kornelkirsche noch die Reifung der Früchte, deren Größe, und herkunft, angeführt.

 

Im Pielachtal in Niederöstereich, so berichtet mein Informant aus Salzburg, wird zweimal im Jahr ein besonderes Fest gefeiert, das Pielachtaler Dirndl. Im Frühjahr werden die goldgelben, blühenden Zweige den jungen Mädchen um den Kopf gelegt und so gehen sie singend durch das Dorf. Im Herbst ist es üblich ein besonderes Angebot auf den Markt zu bringen, gefertigt von den Früchten als Marmelade, Gelee und zu Wein verarbeitet. Im Frühjahr sind es die goldgelben Blüten welche das Tal bereichern und im Spätsommer die tiefroten bis blaurot erscheinenden glänzenden Früchte.

 


 

Bereits vor ihrem Laubaustrieb im März wird der Strauch von vier kleinen wie Schuppen geformten Hochblättern die Trugdolden mit vierzähligen Blüten zeigen überzogen. Blütezeit des zu den Frühblütlern zu zählenden Strauches ist von Februar bis April noch bevor die Blätter sich entfalten. Diese gelben Blütenbüschel bieten den Bienen ersten Nektar.  Im Spätsommer zeigen sich die zunächst strahlenden, Ende August rot erscheinenden Früchte. Sie sind reif wenn sie bis Anfang/Mitte September dunkelrot sind. Sie werden in einem fast überreifen Zustand geerntet. Die bis 12 mm langen eichelformähnlichen Früchte haben innen einen ovalen Kern und werden daher auch als Steinfrüchte bezeichnet. Tatsächlich wird sie botanisch in der Reihe der Wildsteinobste geführt.  Die Früchte sind vom Geschmack her, auch wenn sie vollreif sind, etwas säuerlich aufgrund des hohen Vitamin C Gehaltes.

 

Die bekannten Inhaltsstoffe sind das bittere Cornin, sowie Tannin- und Pektinhaltige Inhaltsstoffe, dann im frischen Zustand mehr als 120 mg%  Vitamin C, Vitamin P, dazu 75 Prozent Wasseranteil,  5 bis  10 Prozent Zucker und etwa 3 Prozent Säuren wie z.B. Gerbsäure dazu noch Schleimstoffe. In der älteren Borkenrinde sind bis zu 15 Prozent Loh als eine Gerbsäure enthalten.

 

Die medizinische Anwendung wie sie früher als Volksmedizin bei schwerem Durchfall verabreicht wurde ist heute in den Hintergrund getreten. Auch die noch lange Zeit bis in die 90-ger Jahre als Krebsausrotter bekannt ist nicht haltbar wie aus der Universitätsklinik, Onkologie Heidelberg, zu erfahren ist. Hingegen ist die Wirkung des Vitamin C unbestritten.

Aus den Blättern, diese zu Tee bereitet, soll eine Wirkung auf den Darm gegeben sein.

 

In der Küche wird die Frucht zu Gelee, Marmelade, Kompott, Fruchtsaft oder auch zu Wein verarbeitet. Es ist durchaus möglich das Vögel wie der Dompfaff, Eichelhäher oder Kleiber die Früchte über Nacht gefressen haben bevor man sie selbst erntet. Auch die Haselmaus tut sich gütlich an den reifen Früchten. Der bekannte Wiener Kaffee bekommt seinen aromatischen Vanilleduft aus der Röstung und dieser Beigabe.

 

In der Viehhaltung wurden die reifen Kornelkirschen zur Schweinemast gefüttert.

 

Die Industrie verarbeitet das Holz der Kornelkirsche gerne zu Spazierstöcke, Holzleitersprossen wegen ihrer Festigkeit, zu Holzpfählen, sowie hölzernen Schirm- und Skistöcken. Es ergibt ein gutes Brennholz und ist als Holzkohle ideal. In Schreinerhandwerksbetrieben war das Holz beliebt zur Handwerkszeugherstellung und auch zu Hammerstiele verarbeitet.  

 

 

 

 

 

Verwendete Literatur zum Thema Kornelkirsche:

 

  • Aichele, Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas,   Bd. 1, 1994
  • Bartels, W., Kottmann, A., Lucke, Dr. R.:      Herstellung von Kornelkirschenwasser, Zeitschrift Die Kleinbrennerei Nr. 7/1998
  • Bingen, Hildegard von: Physica, 1150–1158,   textkritische Übersetzung von Marie-Louise Portmann, 1991, hrsg. von der Basler Hildegard-Gesellschaft
  • Corsi, Gabrielle: Piante Selvatiche di uso alimentare in Toscana, Italien 1979 
  • Diekmann, F.-H., Spethmann, W.:   Monographie der Gattung Cornus, Hausmann Verlag 1997  
  • Wolfgang Franke,    Nutzpflanzenkunde,     Thieme Verlag 1992
  • Friedrich, G., Petzold, H.:    Obstsorten,     Radebeul 1993
  • Genaust, Gerhard:     Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, 1996, 3.,      überarb. Auflage
  • Heinz Jüngling/Siegmund Seybold        Lexikon der Pflanzen  Lexikografisches Institut 1977
  • Hillier, John (Hrsg.): The Hillier Book of Garden Planning and Planting, Großbritannien 1988    
  • Lanzara, Paola:     Guida alle piante medicinali     (Heilpflanzenführer), Italien 1978
  • Schiller, Reinhard: Hildegard Medizin Praxis -   Rezepte für ein gesundes Leben -     Heilmittel im Einklang mit der Umwelt,    Wahrung der ursprünglichen Lebenskraft, 1990  
  • Strehlow, Wighard: Hildegard von Bingen     Kochbuch,     1996
  • Witt, Reinhard: Wildsträucher in Natur und Garten,    1989,   Kosmos-Naturführer  
  • Bilder hier in www.bruchsaler-info.de von Rolf Lindner  

 

 

 

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