Soeben hat es mit Ohrenbetäubendem Lärm begonnen, hier in China das neue Jahr. Man schreibt hier das Jahr 4709. So wird das nun 7 Tage sein. Kein Schlaf-keine Ruhe, Feiern, Feiern, Feiern.

In China wird in diesem Jahr der Jahreswechsel beginnen am Montag den 23. Januar. Es beginnt das Jahr des Wasser-Drachens. Es gilt als Glückssymbol und zu langem Leben. Es soll einkraftvolles, und temperamentvolles Jahr werden. Eigentlich beginnt jedes Neujahrsfest in China mit dem Drachen. Nicht ohne Grund war das Symbol des Kaiserhauses der Drache und der Thron wurde als „Drachenthron“ bezeichnet. Wohl auch denjenigen welche im Jahr des Drachen geboren sind oder jetzt noch werden. Sie sind nach Rechenschaft strebend, gelten als mutig und besonderem Selbstvertrauen, strahlen durch robuste Gesundheit, Langlebigkeit zeichnet sie aus, sie sind ehrlich und zuverlässig. Man hat sich darauf geeinigt dass der Nachwuchs in diesem Jahr des Wasser-Drachens wegen des besonderen Horoskops zur Welt kommen soll. Das bedeutet allerdings auch dass mit einem enormen Zuwachs der Bevölkerung zu rechnen ist. Unsere Bekannten in der 8- Millionenstadt Nanjing haben die Prognose dass etwa 80- bis 100.000 Kinder hier alleine in der Stadt geboren werden. Als negatives gilt allerdings den in dem Jahr Geborenen das sie leicht Erregbarkeit sind und eine gewisse Ungeduld zeigen.

Wichtig ist das alles in rot erscheint (vor allem die Unterwäsche von der Frau ebenso wie die des Mannes in rot), die Wohnungen vorher gesäubert sind. Um des Friedens willen dar in der Neujahrswoche keine Schuhe gekauft werden, das bringt Unglück. Haus und Hof werden mit Wasser besprenkelt und ein Glückwunsch muss an der Haustür geschrieben sein. Alles hat, Tag und Nacht, beleuchtet zu sein, das vertreibt die bösen Geister. Am Tag selbst findet eine alte Hong Bao genannte, der rote Schachtel meint, Sitte statt. Dies beteiligt verheiratete Paare, die Kindern und unverheirateten Erwachsenen Geld zu geben an roten Umschlägen. Dann beginnt die Familie, Grüße von Tür zu Tür zu vermitteln. Zunächst sind die Verwandten dran und dann die Nachbarn. Sagen Sie dort im Western gerne, “Vergangenes vergangen sein lassen”. Bei den Chinesen wird Groll oder Streit für das Neue Jahr beiseite geworfen und vergessen.
Das Ende des Neuen Jahres wird als Fest mit Laternen markiert. Das Feiern wird von Singen, Tanzen- und Laternenvorstellungen begleitet. Obwohl Feiern des Chinesischen Neuen Jahres variiert, ist die zugrunde liegende Nachricht eine von Frieden und Glück für Familienmitglieder und Freunde begleitetes besonderes Ritual. Man könnte sagen, es ist auch ein Versöhnungsfest.

Während die dort lebenden Ausländer z.B. aus Europa bereits am Silvester zum ersten Januar das Neujahrsfest feierten war das für sie ein ganz normaler Arbeitstag. In den Strassen, z.B. in der 8-Millionen Stadt Nanjing ist der normale Wahnsinn des Verkehrschaos los wie immer. Auch wird in China etwas mehr geböllert als bei uns hier in Deutschland. Es ist eigentlich in China jeden Tag an jeder Ecke irgendwo ein Feuerwerk. Man macht es zu Hochzeiten, zum Geburtstag, zu anderen Feierlichkeiten oder einfach nur zum Spaß. „In China darf man immer und zu jeder Zeit sein Feuerwerk veranstalten. Ich glaube an einem normalen Tag gibt es hier fast soviel Feuerwerk wie an Silvester in Deutschland“, schreibt mir ein Korrespondenzfreund aus Nanjing. Weiter teilt er mit: „Wenn wir am 22. Januar dieses Jahr 2012 unseren letzten Arbeitstag haben und dann bis zum 30-ten Januar frei haben dann sieht die Welt hier ganz anders aus. „Vieles was bei uns hier im Abendland über das Neujahrsfest geschrieben wird ist schon sehr gut und richtig. Dennoch, es sieht aber so aus das viele Informationen aus Kanton, Hongkong und Taiwan übernommen worden sind in unseren Medien hier. Jedoch hier in China feiert man das Fest ein wenig anders. China ist ein großes Land mit 56 Nationen. Demnach wird das Fest natürlich unterschiedlich gefeiert. Eigentlich wird das Neujahrsfest bzw. Frühlingsfest von der Nation “Han” gefeiert, die 90% der Bevölkerung darstellen. Man feiert das Fest im Norden, Süden, Osten und Westen schon unterschiedlich, es ist schwer selbst als ein Chinese das traditionelle Fest zu beschreiben“, so der Hoteldirektor hier in Hainan. Übrigens konnten wir hier die heißen Quellen genießen.
Es startet ein 24 Stunden und eine Woche andauerndes Feuerwerk. Wenn man das nicht gesehen hat dann kann man es sich eigentlich nicht vorstellen. Jede Nacht ist der Himmel von einem Feuerwerk erhellt welches einfach nicht enden will. Das geht bis zum Morgen. Das Ganze dauert in der Tat eine Woche. Der Geruch nach Feuerwerk liegt eine ganze Woche in der Luft. Man hat eigentlich keine ruhige Minute. Sehr zum Leidwesen unseres Hundes der auch in diesem Jahr wieder völlig damit überfordert sein wird“.
Eigentlich wird dieses Neujahrs-, oder besser gesagt, Frühlingsfest von der Nation „Han“ gefeiert welche 90 Prozent der Bevölkerung darstellt. Man feiert es im Norden, Süden, Osten und Westen dennoch unterschiedlich. Selbst Chinesen des Landes können es nur schwer das traditionelle Fest beschreiben.
Eine Menge Menschen setzt sich in Bewegung um in die Heimatstädte zu reisen oder um in andere Städte zu reisen. Es werden Familien, Verwandte, Bekannte besucht oder einfach die Gegend erkundet in der man lebt. In der Stadt Nanjing leben mittlerweile rund 8 Millionen Menschen. Wenn die Feiertage loslegen sind es in jedem Jahr nahezu doppelt soviel. Nanjing hat dazu noch die meisten Universitäten in China und ist ehemalige Hauptstadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Eigentlich bekommt man da meinen Fuß richtig auf die Erde da Menschen über Menschen sich hier durchschlängeln. Dazu überall Raketen und man muss sehr aufpassen. Von der Überfüllung der Flughäfen und Bahnhöfe ganz zu schweigen, bei denen ebenfalls ein vermeintliches Menschenchaos herrscht. Doch die Chinesen sind gelassen und haben offenbar die inner Ruhe und Stabilität nicht verloren in diesem Gewühl. Überall wird gefeiert wozu man von Restaurant zu Restaurant geht, isst, trinkt, scherzt und es wird geböllert. In dieser kommenden Neujahrswoche werden die in Europa üblichen Weihnachtsgeschenke jetzt verteilt. Selbstverständlich ist es für jeden Chinesen in dieser Woche anderen etwas zu schenken. Nicht nur der Frau oder der Familie, sondern auch an bekannte zu beschenken wird gedacht. Nur, die Geschenke sind in ihrer Größe und finanziellen Ausgabe etwas kleiner als in Deutschland. Da bekommt die Schwiegermutter eine Tüte Tee, der Schwiegervater die schon längst fällige neue Brille oder ein paar warme Hausschuhe. Für die Frau gibt es was zum Anziehen. Es kommt auch hierauf die Einkommensverhältnisse an wie groß die Geschenke ausfallen werden. Man misst auch nicht am Wert des Geschenkes die Freundschaft sondern einfach daran gedacht zu haben. Da man ja an viele Freunde und Bekannt denken muß könnte es sonst leicht den finanziellen Rahmen sprengen. Wie gesagt, der Gedanke zählt.
Zum Schluss schreibt mein Korrespondenzfreund aus China: „Also wie aus europäischer Sicht zu sehen steuern wir in dieser Woche des Feierns entgegen. Es wird sicherlich wieder eine Woche der absoluten Feierlichkeiten werden mit 24-Sundenpartys und Feuerwerk“.
Als wir im letzten Jahr in China waren und das Neujahrsfest erleben durften haben wir zwar nichts verstanden, aber die Gesten und Freundlichkeit unserer Gastgeber war für uns Europäer als unerreicht überraschend familiär zu bezeichnen. Zu empfehlen ist schon einige Tage vorher in China zu sein denn, es sind alle Chinesen unterwegs, zu Familien, Verwandten, Bekannten, Freund. Das bedeutet eine Menschenmenge überall, mit Fahrzeugen, auch nicht mit Fahrräder in den Städten ist kein weiterkommen.
Pech: Wenn unsere Leser dem chinesischen Neujahrsfest nahe stehen kauft in den nächsten fünfzehn Tagen keine neuen Schuhe, lassen sich während der Festlichkeiten nicht die Haare schneiden, kehren am ersten Tag nicht die Wohnung, sprechen nicht über Verstorbene, kaufen keine Bücher und meiden schwarze oder weiße Kleidung, da dies alles Unglück bringt.
Glück: Das Glück hingegen ist gewährleistet wenn Fenster und Türen geöffnet werden um dem kommenden Glück Einlaß zu gewähren. Das Haus sollte vor dem ersten Festtag gründlich geputzt werden damit das Glück gleich am ersten Tag einen sauberen Platz findet. (Ähnlich bei uns der Frühjahrsputz).
In der Nacht zum neuen Jahr in Pampelmusenblättern baden bringt Gesundheit für das kommende Jahr. Glück bringt es wenn das Licht an den Festtagen Tag und Nacht brennt damit die bösen Geister abgeschreckt werden und das Fest nicht stören. Beginnen sollte man jede Mahlzeit mit süßen Speisen.
Gesprochen: Gógheè Xinxi = „Glückwunsch und neue Freude“. Leider kann ich die chinesischen Schriftzeichen hier nicht eingeben.
Im Hotel in Hainan
„Übrigens“ , so wurde ganz nebenbei erwähnt hier in Hainan, „schreiben wir hier in China das Jahr nach eurer Rechnung in Europa 4709“. Das verwirrte uns dann doch ein wenig.
Blick vom Hotelzimmer auf die heißen Quellen.
Dann heißt es Abaschied nehmen aus Hainan.
Das nächste Jahr des Wasser Drachen wird wieder im Jahr 2024 gefeiert werden.